Erkenntnis und Sein

Die Frage, wie ich im Laufe der Zeit zu dem geworden bin, für den ich mich nun halte, wer ich eigentlich wirklich bin und wie gesicherte Erkenntnis überhaupt möglich ist, führten mich auch in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Dabei zeigte sich, dass wir uns und die Welt stets durch mentale und sprachliche Konstrukte betrachten.

Ist eine unmittelbare Wahrnehmung und Erkenntnis möglich? Um diese Frage beantworten zu können, war es unabdingbar, die Gedanken abklingen zu lassen. Durch Meditation gelang das. Es stellte sich ein klarer, leerer, freier, offener, grenzenloser Bewusstseinszustand ein.
Meine Sicht war nun in der Tat freier, andererseits zeigte sich gerade dadurch klarer, dass die Wahrnehmung weiterhin auf tieferer Ebene von alten Mustern intrinsisch gesteuert und – oft genug – verzerrt wurde. Die De-konditionierung musste also weit über das Mentale hinaus in die Tiefe der Psyche, des Energetischen und selbst des Körperlichen gehen. Ich kombinierte Kenntnisse der westlichen Psychologie mit Methoden der östlichen Weisheitslehren, um mir erworbener Muster bewusst zu werden und zu transformieren, bis sie sich im leeren Bewusstsein auflösen konnten.

Dadurch eröffnete sich mir der Zugang zu tieferen, raum- und zeitlosen, essenziellen Dimensionen des Seins, wie etwa Friede, bedingungsloser Liebe, Freiheit. Je nachdem, durch welches Tor des Ichs (Ego) jemand schreitet, gelangt er in einen anderen, spezifisch damit zusammenhängenden essentiellen Seinsbereich. Es gibt also einen systemischen Zusammenhang zwischen dem Ego und dem Wahrem Selbst. Wie ich das Ganze systematisch zu kartographieren begann, stiess ich glücklicherweise auf A. H. Almaas und Faisal Muqaddam, die diese Arbeit schon vor mir geleistet hatten. Der Besuch ihrer Schulen beschleunigte und vertiefte mein eigenes Vorgehen.

Ich hörte einen spirituellen Lehrer einmal sagen: „Weshalb den letzten Tropfen Liebe aus einer Beziehung wringen, wenn du der grenzenlose Ozean der Liebe bist?!“ Wer den Zugang zu den essenziellen Seinsqualitäten gefunden hat, wird von da an diese Qualitäten weder in der Psyche noch in Beziehungen oder der Welt suchen. Sondern ist als essenzielle Person restlos von ihnen durchdrungen, ja er ist sie. Wie etwa Friede, Ruhe, Stille, Kraft, Lebendigkeit, Freiheit, Klarheit, Brillanz, Würde, Autonomie, Transparenz, Intimität, unmittelbarer Kontakt, bedingungslose Liebe, Erfüllung, Glückseligkeit.

Vormals gebundene Energien stehen einem nun zur freien Verfügung – bei gleichzeitig offenerem Fokus. In einer Atmosphäre von Gelassenheit und Neugier finden Selbst-Bewusstwerdung und Selbst-Verwirklichung weiterhin statt. Und ihnen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Das Leben – und wir mit ihm – ist ein Mysterium. Die Frage, wer ich bin, kann ich letztlich nur beantworten, indem ich authentisch mich selber bin. Und mein Leben auf ganz natürliche Weise lebe und gestalte.

 

mehr zu den essenziellen Seinsqualitäten

Meditation – Wozu?

Posted on Oktober 30, 2015 in Uncategorized

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